07
Jan 10

Bürgerinitiative tagte und informierte über den Sachstand

Quelle: Bürgerportal Wilhelmshaven – www.buerger-whv.de

Neben Bürgern und Betroffenen besuchten auch Ratsabgeordnete, die Wilhelmshavener Aidshilfe, Vertreter der Freien Wähler, der Linken und der Grünen die Veranstaltung der Bürgerinitiative für die Sicherstellung der Versorgung von Drogenkranken.

Die Kassenärztliche Vereinigung Wilhelmshaven lehnt die Substitution von Drogenabhängigen mit Methadon nach wie vor ab und nennt als Argument, dass sich keine Ärzte zur Verfügung stellen würden.

Laut Johann Janssen [Ratsabgeordneter der Linken in Wilhelmshaven und langjährig zuständig für die Methadonverabreichung] stünden aber zwei Ärzte sofort zur Verfügung und zwei weitere, wenn eine externe Vergabestelle [Schwerpunkpraxis] eingerichtet werden würde.

Die von Dr. Abelmann genannte Summe, die notwendig wäre, um den Stamm der z. Zt. am Methadonprogramm Beteiligten zu versorgen, beträgt seiner Rechnung nach 61.000 Euro pro Jahr.

Die Kassenärztliche Vereinigung Wilhelmshaven ist somit nicht bereit, diese Summe zu zahlen, obwohl inzwischen Ärzte zur Verfügung stehen, die die Substitution fortführen würden.

Die Äußerungen zum Methadonprogramm vom Ratsabgeordneten Michael von Teichmann stieß auf heftige Kritik. Seiner Meinung nach ist die Substitution nur eine Notlösung. Die Betroffenen müssten auf den Weg der vollständigen Abstinenz gebracht werden.

Der Vertreter der Aids-Hilfe Wilhelmshaven meinte dazu, dass die Rückfallquoten enorm wären und dass sich ihm bei soviel Unkenntnis der Materie sämtlich Haare sträuben.

Die Methadonsubstitution dient dazu, den Betroffenen ein einigermaßen normales Leben zu gewährleisten. Am Programm beteiligte berichteten, dass sie sogar ganz normal einem Beruf nachgehen könnten und das man zwischen “Abhängigkeit und Abhängigkeit” sehr unterscheiden muss. Nicht jeder Abhängige lässt sich therapieren. Für die Teilnehmer am Methadonprogramm gelten harte Richtlinien und wer teilnimmt und nebenbei weiter Drogen konsumiert [Beigebrauch] wird “an die Luft gesetzt”.

Wilhelmshaven hat zwischen 600 und 800 hartdrogenabhängige Suchtkranke. 300 bis 400 wollen in die Substituierung einsteigen, um wieder ein “normales” Leben führen zu können.

Johann Janssen berichtete, dass die Methadontherapie bundesweit sehr unterschiedlich betrieben wird, außerhalb Wilhelmshavens aber wesentlich großzügiger gehandhabt wird.

Der Ratsabgeordnete Karlheinz Föhlinger [SPD] schlug eine Anschubfinanzierung durch die Stadt Wilhelmshaven vor. Der Betrag von 61.000 Euro wäre im Vergleich zum eigentlichen städtischen Haushalt “Peanuts”. Überspitzt formulierte er, dass der Betrag von Leuten in den städtischen Gesellschaften verfrühstückt würde und spielte damit auf die üppigen Aufsichtsratsvergütungen und Aufwandsentschädigungen an, die immer mehr in die öffentliche Kritik geraten und mit denen sich die Parteien noch zusätzlich finanzieren.

Die städtischen Krankenhäuser, im Speziellen das Reinhard-Nieter Krankenhaus, lehnen die Substitution ebenfalls weiterhin ab. Beim St. Willehad Krankenhaus hingegen stünde noch “eine Tür einen Spalt weit offen”, so Johann Janssen.

Leider geht in der ganzen öffentlichen Diskussion eine wirklich Aufklärung über die Methadonsubstituierung unter, d. h. dem “Normalbürger” wird oft nicht klar, dass dieses Programm oft der letzte Ausweg für Drogenabhängige ist, in ein halbwegs normales Leben zurückzukehren. Ohne Methadon verschärft sich das Drogenproblem, d. h. “Junkies” müssen sich wieder Geld besorgen, um ihre Sucht zu “stillen”. Das bedeutet aber auch eine Erhöhung der sogenannten Beschaffungskriminalität in Wilhelmshaven.

Die Methadonsubstitution in Wilhelmshaven kostet für ca. 200 Substitutionswillige etwa 61.000 Euro im Jahr, ein Gefängnisplatz zwischen 60.000 und 80.000 Euro.

Die Betroffenen erregten durch eine Mahnwache vor der Kassenärztlichen Vereinigung Wilhelmshaven viel Aufsehen und sorgten dafür, dass die außergewöhnliche Handhabung der Methadonsubstitution in Wilhelmshaven überhaupt durch die Medien Verbreitung fand.

Sollte es im Verlauf der Zeit nicht durch eine Lösung mit der Kassenärztlichen Vereinigung Wilhelmshaven kommen, könnten z. B. keine weiteren Menschen in das Methadonprogramm aufgenommen werden und nur die weiterversorgt werden, die schon im Programm sind. Die sogenannten “Take home Patienten” würden dann eine Wochenration zur Selbstversorgung bekommen, die auch in Apotheken ausgegeben werden könnten [siehe: Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger].

Die Bürgerinitiative strebt nun eine öffentlich Podiumsdiskussion zum Thema an, damit eine Weiterführung des Methadonprogramms gewährleistet werden kann und es nicht zu einer weiteren Verschärfung des Drogenproblems in Wilhelmshaven kommt.


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