30
Nov 09

Methadon – „Droge für die Schwachen“ oder „Medizin für die Kranken“?

Quelle: Bündnis90/Die Grünen Kreisverband Wilhelmshaven

Diese Frage wird in unserer Gesellschaft diskutiert, seit vor über 20 Jahren das erste Mal mit dem Wirkstoff Codein versucht wurde, Hartdrogenabhängigen eine Alternative zu bieten, um von Heroin/Kokain loszukommen. Substituierende Ärzte bewegten sich zu dieser Zeit rechtlich oftmals auf sehr dünnem Eis.

In der Folge kam dann als besserer Wirkstoff Polamidon auf den Markt. Auch hier wurde versucht, den Suchtkranken – als solche wurden sie von Insidern schon damals gesehen – den körperlichen Entzug zu erleichtern und sie aus der ewigen Spirale der Beschaffungskriminalität, Beschaffungsprostitution, der völligen sozialen und körperlichen Verelendung bzw. Isolation und der Abhängigkeit von Dealern herauszulösen.

Durchschlagende Wirkung aber gab es erst mit dem Medikament Methadon. Es beseitigte nicht nur die Merkmale des „Affen“ sondern es besetzte im Gehirn die für die Sucht verantwortlichen Rezeptoren derart, dass das ununterbrochene Denken über den nächsten Schuss entfiel. Die tägliche Methadongabe macht den Kopf frei von den rund um die Uhr tätigen Gedanken, wie die Finanzmittel für den nächsten Schuss beschafft werden können bzw. wo die Droge überhaupt herkommt, wie der Dealer zu bezahlen ist, in welchem Reinheitsgrad sich der „Stoff“ gerade befindet und welche gesundheitlichen Risiken damit verbunden sind. More…

25
Nov 09

Methadonvergabe muss geregelt werden!

Quelle: ['solid] Wilhelmshaven – www.solid-wilhelmshaven.de

Seit Wochen stehen montags bis freitags betroffene Methadonpatienten vor der Kassenärztlichen Vereinigung in der Kirchreihe, um auf ihre Misere aufmerksam zu machen. Täglich von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr wird eine Mahnwache abgehalten, die auf die Dringlichkeit der Angelegenheit hinweisen soll.

Ab Dezember 2009 wird es einen erheblichen Engpass bei der Versorgung von Methadon-Patienten in Wilhelmshaven geben. Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung, mit Sitz in der Kirchreihe 17, verweigert bis heute die notwendige Kostenübernahme für die Substitution.

Zur Vergabe des Methadons wird ein geeigneter Raum benötigt. Auch die Ärzte müssen bezahlt werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 60.000,- € jährlich. Die Kassenärztliche Vereinigung will nur 30.000,- € übernehmen. Für diesen Preis ist eine bedarfsgerechte Vergabe des Methadons aber nicht zu realisieren.

Sollte bis Ende November keine langfristige Lösung gefunden werden, so droht den betroffenen Patienten das erneute Abrutschen in die Heroin-Abhängigkeit. Die Folgen sind bereits heute klar: Sucht, Beschaffungskriminalität, Krankheiten und der sichere Tod.

Der in einer schicken Stadtvilla residierenden Kassenärztliche Vereinigung scheint die Brisanz der Lage nicht bewusst zu sein. Scheinbar ist es ihr lieber, die horrenden Folgekosten durch Erkrankungen zu tragen, als sich ihrer Pflicht bewusst zu werden.

Wir rufen zur Unterstützung der täglichen Mahnwache auf.
Helft den Betroffenen, ihre Rechte durchzusetzen.

03
Nov 09

Mahnwache vor der Kassenärztlichen Vereinigung in Wilhelmshaven.

Quelle: Bürgerportal Wilhelmshaven – www.buerger-whv.de

Eine Woche demonstrieren Betroffene für eine Lösung zur weiteren Methadonversorgung, die nur noch bis zum 30. November gesichert ist. Etwa 40 Patienten werden täglich versorgt und weitere stehen auf einer Warteliste.

Sollte die Methadonversorgung in Wilhelmshaven eingestellt werden, wären die Betroffenen gezwungen, die Anlaufstelle in Oldenburg aufzusuchen. Die “jetzt aufgetretene Problematik” ist schon seit Jahren bekannt. In Wilhelmshaven finden sich keine Ärzte, die die Versorgung weiterführen möchten. Die Substitution mit Methadon ist aufwendig. Die zuständigen Ärzte benötigen eine Zusatzausbildung und eine examinierte Krankenschwester und ein Arzt reicht nicht aus.

Das Methadonprogramm dient zunächst dazu Drogenabhängige von der sogenannten Beschaffungskriminalität abzuhalten. Langfristig versucht man die Süchtigen vollständig mit der Methadonreduktionsmethode [schrittweise Verringerung der Dosis] vom Suchtmittel über die sogenannte Entgiftung zu lösen [Therapie].

Im Flugblatt der Betroffenen heißt es:
Zitat: “Wir, Drogenkranke aus Wilhelmshaven, führen diese Mahnwache vor der Kassenärztlichen Vereinigung [KV] durch, weil wieder mal ein Engpass besteht bei der Versorgung drogenkranker Menschen.

Dr. Abelmann, einer von drei Ärzten in WHV, die Drogenkranke behandeln, hat angekündigt, dass er damit am 30.11.2009 aufhören will, wenn die KV keine besseren Arbeitsbedingungen für ihn und die anderen Kollegen organisiert.” Dr. Abelmann soll ein Versorgungsmodell erarbeitet haben, dass so von der Kassenärztlichen Vereinigung nicht akzeptiert wird.

Auch die beiden städtischen Krankenhäuser weigern sich, die Methadonversorgung zu übernehmen. Die Betroffenen appellieren an die Bürger ihnen zu helfen, damit sie nicht in die Beschaffungskriminalität zurückfallen, weil sie z. B. Geld für die Fahrkarten nach Oldenburg “auftreiben” müßten.

Die Kassenärztlichen Vereinigung hat einen sogenannten Sicherstellungsauftrag und muß die Behandlung jeder Krankheit sicherstellen. “Wir fühlen uns wie Patienten zweiter Klasse, denen nicht geholfen wird, obwohl wir jahrelang unsere Krankenkassenbeiträge entrichtet haben”, so eine Betroffene vor der Kassenärztlichen Vereinigung in Wilhelmshaven.